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Tupi, or not tupi

1. März bis 15. April 2018

In Kooperation mit der Stiftung Brückner-Kühner im Rahmen des 8. Kasseler Komik-Kolloquiums

Mit Arbeiten von and-or, Steffi Jüngling, Dagmara Kraus, Jürgen O. Olbrich, Carola Ruf, Gregor Weichbrodt

Eröffnung: Do, 1. März, 19.30 Uhr
Einführung: Friedrich W. Block

Finissage: Fr., 13. April, 19.00 Uhr
„Kannibalische Vernunft“ – Lesung und Gespräch
mit Friedrich W. Block, Steffi Jüngling, Dagmara Kraus, Jürgen O. Olbrich, Carola Ruf, Gregor Weichbrodt

Zur Ausstellung

Anthropophagische Poesie ist eine Sprachkunst, die vorhandenes Text- und Bildmaterial verschlingt und anders und neu wieder hervorbringt. Die Ausstellung denkt im Hintergrund an den nordhessischen Seefahrer und Autor Hans Staden (1525-1576), der in Brasilien fast vom Volk der Tupinambá verspeist wurde. Vor allem aber verleibt sie sich die Kraft des brasilianischen Dichters Oswald de Andrade (1890-1954) und seines 1928 veröffentlichten „Anthropophagischen Manifests“ ein, dem der Titel dieser Ausstellung entnommen wurde.

Die Zürcher Gruppe and-or mit René Bauer, Beat Suter und Mirjam Weder präsentierte eine Online-Anwendung, mit der sich Tweets durch Buchstaben anfressen lassen, um neue Texte auszuspucken. Jürgen O. Olbrich verkehrt ins Negative, was ihn in jungen Jahren mit Text und Bild gut genährt und belehrt hat. Gregor Weichbrodt schreibt Texte, die Texte aus anderen Texten schreiben. Carola Ruf hat buchstäblich Bücher durchbohrt und die Bohrkerne in Reagenzglasröhren gefüllt. Steffi Jüngling präsentierte in der Tradition der Schluckbildchen neue Varianten der Esszettel. Und Dagmara Kraus, die am 3. März mit dem Förderpreis Komische Literatur ausgezeichnet wird, zeigte Collage-Gedichte einen als Ikonenklon ihr Projekt „Lenz“.

Zur Fininssage mit dem Titel „Kannibalische Vernunft“ lasen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler aus dem „Anthropophagischen Manifest“ von Oswald de Andrade und sprachen über ihre in der Ausstellung gezeigten Arbeiten. Dagmara Kraus trug einige ihrer ‚falschösischen‘ Collagen aus dem Band „das vogelmot schlich mit geknickter schnute“ vor.

Hintergrund: Das „Anthropophagische Manifest“ ist zusammen mit dem „Manifest der Pau-Brasil-Dichtung“ 2016 auf Deutsch übersetzt und kommentiert von Oliver Precht erschienen >>>.

Bilder aus der Ausstellung:

and-or: „dadaoverload“: In Echtzeit lassen sich Tweets durch andere Tweets oder Texteingaben fressen und ausspeien.

Steffi Jüngling: „Schluckbild: Europa verinnerlichen“: In der Tradition der Esszettel und Schluckbilder kann man sich diese(s) Europa buchstäblich einverleiben.

Gregor Weichbrodt: „Uncreative Writings“: Konzeptbücher mit Texten, die aus anderen Texten durch Texte (Skripte/Algorithmen) entstanden sind.

Carola Ruf: „excerptum“: Bohrkerne aus Büchern, durch die die Künstlerin sich gefressen hat.

Dagmara Kraus: „Collagen“: 11-Zeiler in ‚falschösischer‘ Sprache. Das Sprachmaterial, das mittels Schere und Uhu verarbeitet wurde, stammt aus einem französischen Deutschlehrbuch der 1940er Jahre.

Jürgen O. Olbrich: „Negativ Print Edition Nr. 1 – Meine kleine Welt“: Seiten eines Sprachlehrbuchs aus der Kindheit des Künstlers, ins Negative verkehrt.

Eröffnung mit Carola Ruf, Steffi Jüngling, Friedrich W. Block und Jürgen O. Olbrich

Eröffnungsgäste

Fotos: Anja Köhne