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p0es1s – postdigital

14. September bis 15. Oktober 2017

Das Projekt, kuratiert von Friedrich W. Block, reiht sich in die seit 1992 unter dem Label p0es1s bzw. POESIS veranstalteten Ausstellungs- und Forschungsprojekte ein (www.p0es1s.net). Die Ausstellung im Kunsttempel greift nun aktuelle Ansätze der Sprachkunst auf, die unter dem Orientierungsbegriff ‚postdigital‘ verortet werden („a term that sucks but is useful“ – Florian Cramer):

  • Formen, die computertechnische und -kulturelle Bedingungen des Sprachgebrauchs reflektieren, dies aber unter Anwendung aller möglichen Medien;
  • Formen, die insbesondere den Wechsel von digitalen hin zu analogen Umsetzungen wie Druck und (Künstler-)Buch oder auch Schreibmaschine vollziehen, wobei das Changieren zwischen elektronischen und realen Räumen und das Miteinander von menschlichen und maschinellen Akteuren eine wichtige Rolle spielen;
  • Formen eines konzeptuellen und vermeintlich ‚unkreativen Schreibens’, die sich, oft mittels Computeralgorithmen, mit dem Ver- und Umarbeiten von vorhandenem Textmaterial beschäftigen; Publizieren und künstlerische Produktion fallen hier häufig in eins.

Für die Ausstellung wurde das von dem italienischen Medienkünstler und -wissenschaftler Silvio Lorusso unterhaltene Post-Digital Publishing Archive eingeladen, sich vom Internet (http://p-dpa.net) in den realen Raum des Kunsttempels zu erweitern. Ausgestellt wurden erstmals einige der im Archiv verzeichneten Buch- und Textobjekte. Zugleich haben wir einige Künstlerinnen und Künstler gebeten, neue Textobjekte bzw. Projekte für die Ausstellung beizusteuern, die wiederum Teil des elektronischen Archivs werden.

Einige Beispiele aus der Ausstellung

Ein Leseraum hat verschiedene Printmaterialien zur Lektüre angeboten: John Cayley und Daniel Howe geben die englische Ausgabe von Samuel Becketts Roman „How It Is“ eins zu eins aus Internet-Zitaten wieder, die alle nicht von Beckett stammen. Becketts „Warten auf Godot“ hat Sophia Le Fraga dagegen zu einem Chat auf ihrem Smartphone verfilmt. Jörg Piringers „Unicode“ zeigt alle 49.571 in Computerumgebungen darstellbaren Zeichen, zum einen ausgedruckt als Flächentext, zum anderen nacheinander als Film. Michael Mandiberg hat an einem Tag im Jahr 2015 die komplette deutschsprachige Wikipedia digital kopiert und zu 3406 druckbaren Bänden kompiliert, von denen ein 700 Seiten starker Band für die Ausstellung gedruckt wurde.

In Kooperation mit dem PublishingLab an der Amsterdam University of Applied Sciences sowie der Stiftung Brückner-Kühner

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamtes der Stadt Kassel und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Beteiligte Künstler/innen: Hannes Bajohr, John Cayley, Mara Genschel, Daniel Howe, Annett Höland, Megan Hoogenboom, Jean Keller, Sophia Le Fraga, Silvio Lorusso, Michael Mandiberg, Jörg Piringer, Paul Soulellis, Lisa Spalt, Stephanie Syjuco, Rui Torres, Traumawien, Martin Wecke

Kurator: Friedrich W: Block
Kuratorischer Assistent: Leslie P. Zimmermann

Zur Reihe "PUBLIZIEREN ALS KUNST"

Die Reihe widmet sich künstlerischen Positionen der Auseinandersetzung mit Prozess und Strukturen des Publizierens, die in der sich rasant verändernden Mediengesellschaft umfassend mit neuen Bedingungen zu tun haben. Der experimentelle und momentan heiß diskutierte künstlerische Umgang mit Publikationen kann bereits auf eine längere Geschichte blicken wie z.B. in experimenteller Poesie, Künstlerbuch und -edition oder Mail-Art. Dergleichen wird in aktuellen post-digitalen Ansätzen wieder aufgegriffen und fortgeführt.

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