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Wild at Heart
Gustav Sonntag

Eröffnung
23.05.26 – 19:00 Uhr

Dauer
23.05.2026 – 21.06.2026
Donnerstag – Sonntag / 16 – 19 Uhr

Lesung
Helmut Krausser liest im Kunsttempel
19.06.2026 – 19:30 Uhr

Mit „Wild at Heart“ präsentiert Gustav Sonntag intensive, urbane und meist großformatige Bilder, die ihre Wirkung über alle drei Etagen der Ausstellung entfalten. In seinen malerischen Erzählungen regt er zum Nachdenken über Leidenschaft, Obsession, Sucht, Hoffnung, Resignation und weitere Aspekte des Lebens an.

„Die Welt hat ein wildes Herz und ist total verrückt geworden“, sagt Lula (Laura Dern) im gleichnamigen Film von David Lynch aus dem Jahr 1990. Eine Aussage, die jede Generation für sich neu entdecken kann, bei der Suche nach der Möglichkeit, diese Welt und den eigenen Platz darin zu verstehen. Vielleicht gehört die „Wildheit“ des Lebens jedoch nicht nur den ständig nachrückenden „jungen“ Generationen, sondern ist vielmehr ein Aspekt des Lebens, der je nach Priorität unterschiedlich sichtbar bleibt. Genau darauf richtet Gustav Sonntag seinen Blick. Seiner Aufmerksamkeit entgeht kein Detail, auch nicht in Szenen, die von der Gesellschaft sonst gerne übersehen werden. Dabei erreicht er eine unglaubliche Präsenz und Unmittelbarkeit. Seine Bilder sind körperlich, ihre Direktheit ist verführerisch und beängstigend zugleich. Es sind schonungslose Zeugnisse des urbanen Geschehens, die er in authentische Bildsequenzen verdichtet. Seine Protagonisten schwanken zwischen unbändiger Lebenslust und Scheitern – der Ausgang ist meist ungewiss. Oft komponiert er seine Bilder aus unterschiedlichen Blickwinkeln gleichzeitig und bedient sich dabei einer geradezu cineastischen Technik der Bild-in-Bild-Erzählung: Die Geschichten überlappen und überschneiden sich, sie greifen ineinander. So erschafft Gustav Sonntag malerische Momente, die widersprüchliche Perspektiven vereinen, und überlässt die Deutungshoheit den Betrachtern.

Bereits beim Betreten der Ausstellung im Erdgeschoss wird seine malerische Virtuosität deutlich – der Blick verliert sich genussvoll in den unzähligen Details der Bilder. Nach und nach entfalten sich die Hintergründe eines prekären Alltags. Im Untergeschoss verdichtet sich die Atmosphäre, die Intensität steigt – die Erzählungen werden schwerer, die Farben düsterer. Raum und Zeit drohen zu kippen – dem Künstler gelingt es, Ekstase und schmerzende Ernüchterung gleichzeitig zu verbildlichen. Die Werke sind intensiv und fast schwindelerregend. Die Treppe nach oben bietet einen Ausweg: Im Obergeschoss der Ausstellung werden Farben, Duktus und Themen leichter und nachdenklicher. Die Materie tritt zurück und überlässt der Transzendenz den Raum.

Diese Ausstellung ist eine Reise durch unterschiedliche Ebenen der Existenz. Sie ist leidenschaftlich kontrovers, ohne dabei moralisierend zu sein. Denn eins ist sicher: Auch wenn wir die Augen davor verschließen, bleibt diese Welt in ihrer ganzen Wildheit bestehen. Um es mit David Lynch zu sagen: „Wenn du wirklich ein wildes Herz hast, dann wirst du für deine Träume kämpfen. Du darfst nicht vor der Liebe davonlaufen …“

Gustav Sonntag (*1994 in Berlin) lebt in Leipzig und arbeitet auf dem Gelände der Baumwollspinnerei. In den letzten beiden Jahren war er im Künstlerhaus Dresden ansässig. 2022 schloss er sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig mit dem Diplom in Malerei/Grafik in der Klasse von Christoph Ruckhäberle ab. In jüngster Zeit waren seine Arbeiten in zahlreichen Galerien und auf Kunstmessen zu sehen, ebenso in institutionellen Ausstellungen, etwa in der Stadtgalerie Kiel, im Nationalmuseum Bukarest (Rumänien, Dissonance Plattform 3, 2024, 2025), in Potsdam (Gegen den Strich – Gen Z in der Kunst, 2024) und im Drents Museum, Assen (Niederlande, Hotspot-Leipzig, 2025, 2026). Er wurde mit dem Eb-Dietzsch-Kunstpreis für Malerei ausgezeichnet und für den STRABAG-ART-Award nominiert. Seine Werke befinden sich in den Sammlungen des Kunstmuseums Ahrenshoop, der G2 Kunsthalle und der Sammlung Hildebrand.

(Text und Kuration: Milen Krastev)

Lesung
Helmut Krausser liest im Kunsttempel
19.06.2026 – 19:30 Uhr
Der preisgekrönte Autor liest aus seinem neuen Buch „Wer hat uns je geliebt“ – eine aberwitzige Geschichte über die Grenze zwischen Realität und Wahn im Berlin der Gegenwart.

Mit freundlicher Unterstützung von: Kulturamt der Stadt Kassel